Nachts unruhig – wenn Menschen mit Demenz nicht zur Ruhe kommen
Wenn die Nacht zum Problem wird
Viele Angehörige kennen diese Situation nur zu gut:
Der Tag war einigermaßen ruhig, doch kaum ist es Abend, beginnt die Unruhe. Menschen mit Demenz stehen auf, laufen umher, schauen aus dem Fenster, wollen das Haus verlassen oder packen ihre Tasche.
Für Angehörige bedeutet das: schlaflose Nächte, Hilflosigkeit und die Sorge, selbst bald nicht mehr durchzuhalten.
Dieses Verhalten ist kein Einzelfall, sondern ein bekanntes Bild in der Demenzpflege. Es trägt sogar einen Namen: Sundowning.
Warum Demenz am Abend oft schlimmer wird
Dass Menschen mit Demenz abends unruhig werden, hat verschiedene Ursachen:
Erschöpfung des Gehirns: Nach einem langen Tag lässt die Orientierung nach, das Gehirn ist überlastet.
Angst durch Dunkelheit: Schatten, Stille und ungewohnte Geräusche lösen Unsicherheit aus.
Veränderte Zeitwahrnehmung: Menschen mit Demenz verlieren das Gefühl für Tag und Nacht – Mitternacht fühlt sich manchmal wie Vormittag an.
Innere Unruhe: Ängste, Sehnsucht oder der Drang, „noch etwas erledigen zu müssen“, werden in den Abendstunden stärker.
Was Angehörigen in solchen Momenten helfen kann
Ein Patentrezept gibt es nicht. Doch kleine Veränderungen können die Situation oft erleichtern:
Rituale schaffen
Ein fester Abendablauf vermittelt Sicherheit: Tee trinken, Musik hören, eine vertraute Geschichte oder ein Gebet.
Licht nutzen
Ein Nachtlicht verhindert dunkle Schatten und kann Ängste lindern.
Gefühle statt Logik
Sätze wie „Es ist doch schon spät, leg dich wieder hin“ bringen wenig. Besser ist: „Ich sehe, dass du unruhig bist. Ich bin bei dir.“
Sanfte Ablenkung
Fotoalben anschauen, Musik hören oder eine kleine Beschäftigung können Anspannung lösen.
Entlastung für Angehörige
Wer Nacht für Nacht wach ist, braucht Pausen. Entlastungsangebote wie stundenweise Betreuung oder Tagespflege sind keine Schwäche – sondern notwendig.
Auch die Angehörigen nicht vergessen
Oft schauen wir zuerst auf die Betroffenen – dabei leiden Angehörige mindestens genauso.
Nacht für Nacht aufzustehen kostet unendlich viel Kraft. Viele fühlen sich erschöpft, allein gelassen oder schuldig, wenn sie einmal ungeduldig reagieren.
Doch Pausen und Hilfe sind kein Zeichen von Schwäche – sondern Selbstfürsorge. Nur wer selbst Kraft hat, kann langfristig für andere da sein.
Fazit: Unruhe verstehen – Nähe schenken
Nachts unruhig zu sein, ist ein typisches Symptom bei Demenz. Es ist kein Trotz und keine Bosheit, sondern Ausdruck von Unsicherheit, Angst und Orientierungslosigkeit.
Wenn Angehörige verstehen, warum das passiert, können sie gelassener reagieren. Mit kleinen Schritten – Ritualen, Licht, Nähe – lässt sich die Situation ein Stück weit leichter machen.
Und manchmal entsteht genau in diesen stillen Nachtstunden auch etwas anderes: ein Moment der Nähe, der Wärme, des „Ich bin da“.